Gedanken und Tatsachen zum Kaiserschnitt

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Der gesunde Hund fängt bei der Auswahl der Elterntiere an. Ziel eines seriösen Züchters muss die natürliche Zeugung mit komplikationsfreier Trächtigkeit und natürlicher Spontangeburt sein. Denn eine Schwerstgeburt mit tierärztlicher Hilfe und Kaiserschnitt sollte bei jeder Hunderasse die traurige und seltene Ausnahme sein.

Die Französischen und Englischen Bulldoggen sind aufgrund ihres speziellen Körperbaus bekannt dafür, dass es hier besonders oft zu erheblichen Schwierigkeiten aufgrund der Kopfgröße und des engen Beckens kommen kann. Das natürliche Gebärvermögen muss unbedingt einen hohen Stellenwert bei der Selektion der Zuchthunde bekommen. Dies lässt sich nur durch die Anwendung einer gewissen phänotypischen Variabilität erreichen. Diese kann man sehr wohl berücksichtigen, ohne die rassentypischen Merkmale oder den Rassestandard zu missachten.

Daher ist es unbedingt wichtig, dass Züchter ihre Zuchttiere nicht nur auf äußerliche Schönheit, sondern auch auf Instinktsicherheit und eine ausreichende Weite des Beckens selektieren. Studien haben ergeben, dass die Beckenbreite der Französischen Bulldoggen zwischen 28,8 mm und 43,6 mm schwankt, die Köpfe der ausgetragenen Föten einen Umfang zwischen 30,3 mm und 38,6 mm maßen. Offensichtlich sind hier Geburtsschwierigkeiten vorprogrammiert.

 

13 Jahre alte Hündin, die nach vier Normalgeburten ihren wohlverdienten Ruhestand in der Züchterfamilie genießen darf!

 

Leider nehmen viele Züchter und Vereine diese Schwierigkeiten als normal an, so dass es mittlerweile schon bei über ca. 80% der Geburten zu Kaiserschnitten kommen muss. Durch diese "Normalität" werden den Zuchttieren mehrere Schnittgeburten zugemutet, in einigen Ländern sogar nur mit örtlicher Narkose, so dass die Hündin bei vollem Bewusstsein ist. Das ist für das Tier hochgradige Quälerei und hat mit Hundezucht überhaupt nichts mehr zu tun!

In Deutschland ist eine Belegung nach zwei Kaiserschnittgeburten in seriösen Zuchtverbänden untersagt. Die betroffenen Hündinnen werden dann aus der Zucht genommen, idealerweise kastriert, auch, damit bei evtl. Besitzerwechsel hier nicht eine nochmalige Belegung erfolgen kann.

Durch eine sofortige Meldung des Wurfes an das Zuchtbuchamt mit tierärztlichem Zeugnis bei der Welpenbesichtigung bzw. Welpenabnahme wird dieses kontrolliert und in der Ahnentafel der Mutter vermerkt. Es sollte unbedingt in den Ahnentafeln der Welpen vermerkt werden, ob dieser Welpe natürlich geboren wurde oder einer Kaiserschnittgeburt entstammt.Man kann nur hoffen, dass Vereine und Züchter hier bei der Wahrheit bleiben und keine angeblichen Naturgeburten dazwischen schummeln.

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Sollte der Kaiserschnitt aufgrund einer Wehenschwäche der Mutterhündin, welche weitervererbt werden kann, eingeleitet worden sein, ist es sehr wichtig darüber Bescheid zu wissen, wenn man sich z.B. für eine angehende Zuchthündin aus dem betroffenen Wurf interessiert. Jede Zuchthündin der bulldogartigen Rassen sollte unbedingt aus einer möglichst kaiserschnittfreien Linie, aus beweglichen Elterntieren, die in der Lage sind die eigene Pflege und die Brutpflege eigenständig durchzuführen,  entstammen.

Wenn die Hündin dann auch noch ein großes Vertrauensverhältnis zum Züchter hat, der sich auch im Alltag viel und liebevoll mit ihr beschäftigt, und ihr das nötige Umfeld bereitet, kann man schon sehr davon ausgehen, dass die bevorstehende Geburt ohne Schwierigkeiten abläuft.

Bei unseren Bullys wird der Standard oftmals übertypisiert und der kurze, breite, kompakte, fast rutenlose Bulldog von vielen Richtern gern gesehen und oft hoch bewertet.

Die korrekt angesetzte und getragene Rute ist nicht nur für das äußere Erscheinungsbild wichtig, vielmehr führt eine hoch angesetzte oder gar fehlende Rute oftmals zu erheblichen Defekten der Wirbelsäule und auch zu einer Fehlstellung des Beckens. Dies führt unweigerlich zu Geburtsschwierigkeiten und muss deshalb auch bei der Auswahl der Zuchttiere beachtet werden.

Sicher sind die kurzen kompakten Bullys nett anzuschauen, leider haben aber gerade diese hochplatzierten Hündinnen, wenn sie aufgrund ihrer Ausstellungserfolge nun endlich in die Zucht gehen sollen, erhebliche Schwierigkeiten ihre Welpen auf natürlichem Wege zur Welt zu bringen. Man muss kein Mediziner sein um zu verstehen, warum.

Je kürzer und gedrungener man sich die Hunde wünscht, desto eher gibt es Bewegungseinschränkungen aufgrund der kurzen Wirbelsäule. Je kürzer ein Bully ist, desto weniger Platz haben die Welpen in der Mutter. Je weniger Platz die Welpen haben, umso eher ist es möglich, dass sich nur wenige Föten entwickeln, diese aber oftmals sehr groß werden. Je größer die wenigen Welpen werden, umso eher werden sie ihrer Mutter Schwierigkeiten bei der Geburt machen.

Viel größer ist die Gefahr, dass sich ein normal großer Wurf von vier bis sechs Babys, in Ausnahmefällen bis zu zwölf Babys, entwickelt. Damit kommt eine normal gebaute gesunde Zuchthündin oft gut zurecht. Ein übertypisierter Bulldog kann diese Masse dann nicht mehr ohne Schäden austragen, daher kommt es leider sehr oft zum vorzeitigen Absterben der Früchte, oder zu Mißbildungen und/oder Fehllagerungen der Föten, welches die Hündin noch zusätzlich in Lebensgefahr und Leiden bringt.

Einige Züchter sehen es bereits als normal an, ihre trächtigen Hündinnen bis zu zwei Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin mit Welpenmilch zu ernähren, da sie mangels Platz im Bauchraum der überfüllten Hündinnen schlichtweg keine normale Nahrung mehr zu sich nehmen und beibehalten können.

 

Spätestens“ hier fängt die Qualzucht der Rassen mit der schweren Geburt, die diese Hunde meist nicht ohne chirurgische Hilfe überstehen würden, an. Daher sollte jeder seriöse Züchter darauf achten, dass er nach Möglichkeit durch intelligentes Zuchtmanagement diese Komplikationen gar nicht erst entstehen lässt.

 

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Durch mehrere Kaiserschnitte verklebte und vernarbte entfernte Gebärmutter einer 3-jährigen Zuchthündin, die nachdem sie nicht mehr aufgenommen hatte, verkauft und kastriert wurde.

 

Durch überlegtes Aussuchen und Aufbauen einer anatomisch geeigneten Hündin, kann man hier und auch zukünftig viel Leid verhindern. Auch der Welpenkäufer freut sich über einen normal geborenen Welpen. Sie müssen keine belastende Narkosemittel verarbeiten und werden durch die Scheidenflora der Mutterhündin, vorausgesetzt diese ist gesund, erstmals mit immunstärkenden Bakterien beimpft, was später allergischen Reaktionen vorbeugen kann. Bleiben wir auch bei unseren Bulldoggen ein bißchen bei Mutter Natur und beginnen die Zuchtgedanken nicht schon mit vorhersehbaren und fest einkalkulierten künstlichen Eingriffen. Es muss klar sein, dass diese Hunde in der Natur keine Chance auf Reproduktion finden würden. Macht vielleicht Sinn!

von Claudia Fuhrmann & Gudrun Schäfer

 

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Ein schöner Geburtsbericht aus Hounds & People

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